Februar 16, 2016

Songs, Sounds & Stories «Canyon Songs»









Manfred Sim Toppel für bazaar
Die Berliner Jazz-Sängerin Lisa Bassenge verliess für ihre neue Scheibe Canyon Songs Berlin Richtung Westen, um in Los Angeles ein Album über Los Angeles zu machen. Dabei kam ein Werk heraus, das geprägt ist von grosser Sensibilität und einfühlsamer Musikalität. Bassenge ist ja bekannt dafür, dass ihre Platten meist sehr entspannt daherkommen. Und da macht auch Canyon Songs keine Ausnahme. Und dieses Chill-Flair passt ja auch hervorragend zur alltäglichen Westcoast-Cruising-Mentalität in Kalifornien. Die über die Grenzen von Deutschland bekannte Sängerin nimmt sich die Originale von Joni Mitchell, Tom Waits, Buffalo Springfield, Don Henley, James Taylor oder Brian Wilson als Vorlagen für die neue Scheibe. Als Mann an den Knöpfen hat sich Bassenge Larry Klein ausgesucht. Ein Mann mit Geschichte. Klein hat in den letzten 30 Jahren mit so ziemlich fast allen, die Rang und Namen in L. A. haben und hatten, zusammengearbeitet. Sei es Joni Mitchell, mit ihr war Klein bis 1994 musikalisch und privat liiert, Herbie Hancock, Randy Newman, Bonnie Raitt oder Tracy Chapman. Der Kontrabassist und Produzent schafft mit seinen ungeheuer guten Musikern und seiner sagenhaft transparenten Produktion ein faszinierend kohärentes Soundbild, sprich eine durchgehende Stimmung, auf Canyon Songs. Dabei sticht erstaunlicherweise die Musik in erster Linie hervor, nicht die Sängerin. Es braucht ein wenig Zeit, die filigranen und subtilen High-End-Qualitäten der Musiker von Bassenge zu entdecken. Aber sie machen diese Scheibe erst so richtig spannend. Und Bassenge? Ihr Gesang überzeugt in den meisten Songs mit seiner gekonnten Zerbrechlichkeit und dem erotischen Unterton in der Stimme. Und dennoch: im Vergleich zur Musik wirkt Bassenges Stimme nicht selten wie ein Fremdkörper. Ab und an kann sie beim Level der Musiker ganz einfach nicht mithalten und fällt etwas ab. Es kommt einem fast schon so vor, als war der Produzent mit seinen Musikern sehr vertraut, während Bassenge ausserhalb dieses «Rings of Trust» sang. Natürlich, hier wird auf ganz hohem Niveau gemeckert, keine Frage.
Insgesamt ist Canyon Songs ein gelungener Hinhörer, der für Bassenge eine Zäsur ihres Musikschaffens bedeutet und für den geneigten Zuhörer stimmungsvolle Songs bietet.

Noch eine Frage: Über wen würden Sie gerne hier etwas lesen?

Manfred Sim Toppel ist Bassist, Songschreiber und Bandcoach aus Zürich

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