Februar 18, 2016

Songs, Sounds & Stories «Wer sät, wird ernten»


 



Manfred Sim Toppel für bazaar
Das kennen wir, die Kinder der Digitalisierung und des massgeschneiderten und sorgfältig ausgesuchten Sounderlebnisses, doch fast gar nicht mehr. Da hört man einen Song, der einem gefällt und denkt sich blauäugig: «Det Album, det kof ick mir jetzt.» Gedacht, getan. Und dann fängt der Katzenjammer an. «Och, nur der eene Song is wirklich jut, alle anderen sind Schrott.» Vor der Zeit der digitalen Gesellschaft nannte man das Pech. Heutzutage kommt das kaum mehr vor, weil man ja nur das Stück der Wahl kaufen muss und nicht mehr das ganze Album. Damit steigt aber auch die Chance für Eintagesfliegen-Bands/Künstler, die sich sagen: «Wir brauchen nur einen Song und dann sind wir fein raus.» Und leider denken die grossen Plattenfirmen heutzutage genau so und wollen (meistens) nur noch absahnen/melken. Aber das dazugehörige Futter und das notwendige Hörner-Abstossen, um im Farmer-Slang zu bleiben, wollen sie nicht mehr bezahlen. Aber zuerst muss das Saatgut gekauft und ausgestreut werden, bevor etwas wachsen kann. Zu dieser Thematik hat sich bereits 2002 einer geäussert, der es wissen muss, weil er schon sehr, sehr lange in diesem Business zuhause ist: Rockstar, Sänger, Gitarrist und Songwriter Tom Petty schildert im US-Magazin Rolling Stone seine treffende Sicht der Dinge. Hier geht’s zum Text. Was besonders auffällt, ist, wie brandaktuell dieser bald 15 Jahre alte Text immer noch oder wieder wirkt. Petty sagt darin auch, dass es ihn als Künstler heutzutage gar nicht gäbe, hätte in den 1970er-Jahren diese selbstgefällige Geschäftskultur bei den Labels schon existiert.
Eine sehr spannende Dok zum Thema MusikBUSINESS gibt es von der US-Band 30 Seconds To Mars. In Artifact wird auf schonungslose Weise vorgeführt, wie sehr Künstler von den grossen Major-Plattenfirmen finanziell ausgewrungen werden, um sie bei der Stange zu halten. Sehr empfehlenswert.
Und wieso heute die Chvrches? Nun, nicht weil sie etwa Eintagesfliegen wären. Das sind sie nicht. Nein, sie sind einfach gut. Und ich hatte sie schon lange auf der Liste für den Kulturbazaar. Viel Spass damit.

Noch eine Frage zum Schluss - heute etwas ausführlicher, weil ich sehr direkt davon betroffen bin - : Wissen Sie, wie viel Futter eine Katze pro Tag so frisst? Nass- und Trockenfutter.
Wir haben nämlich unser Heim seit kurzem an zwei Vertreter dieser Spezies «verloren» und wollen ihnen natürlich auch gute Gastgeber sein. Ja, ja, ich weiss Dr. Google hat auch eine Veterinärarzt-Abteilung. Aber ich bin halt in gewissen Kommunikationsdingen noch altmodisch veranlagt und rede/kommuniziere lieber mit Menschen und lebendigen Wesen als mit Maschinen. Ich bin für jeden sachdienlichen Hinweis (contact@mst-music.ch /Twitter: @mstmusic) dankbar.


Manfred Sim Toppel ist Bassist, Songschreiber & Bandcoach aus Zürich