März 09, 2016

Songs, Sounds & Stories «So, dass die Schneeflöckchen nicht aufgewirbelt werden…»



Manfred Sim Toppel für bazaar
Der Buddhismus sagt es schon lange, seit mindestens  5'000 Jahren, was die wissenschaftliche Forschung während Experimenten im Nanobereich seit kurzem auch herausgefunden hat: Wir beeinflussen die Umwelt und die Umwelt uns.

Und unbewusst wissen wir das alle. Wer schon mal mit dem ÖV unterwegs war – was so ziemlich alle von uns mindestens einmal im Leben gemacht haben dürften – hat das bestimmt auch schon erlebt. Wir sind beispielsweise in fantastischer Laune, weil wir beim Koffein-Dealer unserer Wahl aussergewöhnlich schnell an die Reihe kamen und uns deshalb der White Caffè Mocha mit Sojamilch heute besonders gut schmeckt. Vielleicht sind wir aber einfach nur happy, weil wir wider Erwarten einen Sitzplatz ergattern konnten. Nun, jedenfalls strahlen wir wie ein Maikäfer und sind guter Dinge. Wetten, dass die Chancen gut stehen, dass wir bis zu unserer Ankunft mindestens eine kleine, aber feine und schöne Begegnung mit anderen Pendlern haben werden? Wetten, dass wir mit unserer guten Laune auch andere Mitmenschen anstecken werden, egal, ob es im ÖV oder am Arbeitsplatz ist? Ja, wir beeinflussen unsere Umwelt. Actio und reactio wird das genannt. Natürlich gilt auch das Gegenteil. Wenn wir schlecht drauf sind, nehmen wir genau so Einfluss und verbreiten wellenförmige Kreise schlechter Stimmung. Stichwort: Schlecht gelaunte Chefs.
Vor wenigen Tagen hatte ich während eines Tierkommunikator-Kurses ein sehr eindrückliches Erlebnis, wie man seine Umwelt und selbstverständlich auch sich selbst massgeblich mitbeeinflussen kann. Zu Beginn des Kurses, an dem etwa 30 Personen teilnahmen, die auf Stühlen in einem grossen Kreis sassen, herrschte in dem luftigen Tagungsraum eine Stimmung wie in einem Bienenstock kurz vor dem ersten Ausflug im Frühling. Emsiges Gewusel, Schwatzen, in den Taschen kramen, Unterlagen vorbereiten, scheue Blicke durch den Raum. Die nervöse Angespanntheit mit so vielen neuen und unbekannten Menschen in einem Raum zu sein war förmlich mit den Händen greifbar. Eine Teilnehmerin hatte ihren grossen Hund mitgenommen. Er hechelte leicht, schlug mit seinem Schwanz elektrisiert hin und her, tänzelte unruhig an der Leine und schaute nervös im Kreis umher. Als kurze Zeit später die Kursleiterin mit ihren drei grossen Hunden den Raum betrat, brach erst mal die Hölle aus. Der Hund der Kursteilnehmerin (Juno) begann – stellvertretend für die Menschen – laut zu bellen und die Anspannung im Raum stieg noch einen Zacken höher. Aber die Kursleiterin hatte die Situation von Anfang an im Griff. Sie führte ihr Hunde wieder aus dem Raum und begann mit uns und Juno ruhig zu reden. Nach einigen einleitenden Worten holte sie ihre Hunde, einen nach dem anderen in den Raum zurück und führte sie in weitem Bogen um Juno herum. So, dass er sich mitnichten bedroht fühlen musste. Dann forderte sie uns zur ersten Kursübung auf. Doch zuvor gab sie uns das Bild der Schneekugel mit auf den (Kurs-)Weg: «Könnt Ihr Euch bitte so bewegen, dass die Schneeflöckchen nicht vom Boden aufgewirbelt werden?» Die meisten Kursteilnehmer und Kursteilnehmerinnen lachten oder mussten zumindest grinsen. Aber, jede und jeder gab sich grosse Mühe und bewegte sich ruhig, aufmerksam und konzentriert. Und das hatte Wirkung: Im Nu verbreitete sich eine friedliche und entspannte Stimmung. Auch Juno und die anderen Hunde kamen zur Ruhe und legten sich ganz relaxed in ihre Körbchen und auf ihre Hundedecke. Die Schneeflöckchen blieben liegen. Alle Kursteilnehmer waren bereit für Neues. Dieser Schneeflöckchen-Satz beeinflusste uns und wir beeinflussten unsere Umwelt, die Hunde und uns.
Seither bewege ich mich um meine Katzen herum anders als zuvor. Irgendwie bewusster und aufmerksamer. Und auch sie reagieren auf dieses neue Verhalten, in dem sie ruhiger und gelassener sind und (noch!) länger schlafen… ;-))

Jedenfalls passt die neuste Musik von Chris Walla, einem Künstler, Produzenten und DJ aus Seattle, USA,  hervorragend zu diesem (ruhigen) Schneeflöckchen-Bewusstsein und natürlich auch zum herrschenden und entschleunigenden Wintertreiben. Ich wünsche Ihnen viele besinnliche Minuten mit beidem.

Eine Frage zum Schluss: Sind Sie sicher, dass Sie ganz bei sich selbst sind?

Manfred Sim Toppel ist Bassist, Songschreiber und Bandcoach aus Zürich